Thurgauer Zeitung vom Freitag, 7. Oktober 2005
Der lange Weg zum Tanzerfolg
Monika Kurzbein aus Buch bei Märwil hat einige Europa-
und eine Weltmeisterschaft im Western Country Line Dance hinter sich. Nun
trainiert sie für die Teilnahme an der WM 2005/06 in Schweden.
Maya Riesen
Buch - Als kleines
Mädchen war sie hyperaktiv, als Lösung bot sich die Mitgliedschaft in der
Trachtengruppe Lauchetal an. Bald war Monika Kurzbein die Bernertracht zu klein,
eine andere wollte sie nicht. Das Countrylokal Bonanza, damals noch in Berg ansässig,
suchte Kinder für Gratis-Tanzkurse, organisiert von der Gruppe Rising Moon aus
Weinfelden. Der Tanzlehrer bat alle Kinder auf die Tanzfläche und rief der zögernden
Monika Kurzbein zu: «Ohne dich fange ich nicht an.» Damit hat er den
Startschuss gegeben für eine ganz besondere Karriere.
Jeden Mittwoch sah man sie im «Bonanza», und da ihr das Tanzen viel Spass
machte, trainierte sie auch noch am Dienstag im Rising-Moon-Club. «Die
Mitgliedschaft in diesem und die Anmeldung zur Schweizer Meisterschaft 1999 in
der Kategorie Newcomer waren für mich unglaublich.» Vier Tänze musste sie dafür
lernen. Bei der ersten Meisterschaftsteilnahme hat sie viel gelernt, nämlich
Geduld und Ausdauer. Auch die Regeln mussten respektiert werden. Neulinge dürfen
keine Glitzer auf der Kleidung tragen; es wird in Jeans, Bluse oder Hemd
aufgetreten.
Sich über Anfängerfehler geärgert
«Ich war so nervös. Es waren so viele Tänzer da, dass man Ausscheidungen
vornehmen musste.» Als Neuling wusste sie nicht, dass man auf den Monitor
schauen muss, ob man im Final ist. War man dann nicht mehr anwesend, wurde man
disqualifiziert.» Erst später erfuhr sie von ihrer Endaufstellung und ärgerte
sich über den Anfängerfehler. Für das Training, die Startgelder, Übernachtungen
und Kleider gibt es natürlich viele Auslagen, welche zum grössten Teil aus
der Clubkasse bezahlt oder bei privaten Auftritten hereingeholt werden, da
Monika Kurzbein in einer Show-Gruppe mitmacht. Auch auf Sponsorengelder sei
man angewiesen, die nur spärlich fliessen.
«Die
WM war das Grösste für mich»
Für die Mutter, die Monika Kurzbein coacht, bedeutet das immer wieder tief
ins eigene Portemonnaie zu greifen. Da Monika Kurzbein nach dem
Schulabschluss keine Lehre als Verkäuferin fand, absolvierte sie ein
Haushaltslehrjahr. Dabei immer vor Augen, dass der Western Country Line
Dance in der Schweiz kein anerkannter Sport ist, wie im Ausland.
Im Jahr 2000 entschloss sich der Rising-Moon-Club, ein Team aufzustellen, um
an Meisterschaften teilzunehmen. In erster Linie an der WM 2002 in Holland.
Die Qualifikation wurde in Deutschland, der Schweiz und an der
Europameisterschaft absolviert: «Die WM war das Grösste für mich. Ich war
mit 13 Jahren die jüngste Teilnehmerin im Schweizer Team.» Mit dem fünften
Platz war sie sehr zufrieden.
Den ersten Platz erreicht
«In den folgenden Jahren holte ich viele Auszeichnungen und tanzte immer
weiter nach vorn», erklärt sie. Seit einem Jahr gehört Monika Kurzbein
zum Swiss-Team Metaphoria. Die Schweiz verfügt über einen Dachverband,
den UCWDC, mit Präsidentin Barbara Dietsche, die dieses Team trainiert. Für
die Choreografie kommt nur der beste Tanzlehrer, der Weltmeister Lee
Easton in Frage. Nun ist ihr Ziel die WM in Schweden 2005/06. Zuerst
musste sich die begeisterte Tänzerin in diesem Jahr in Berlin, in Holland
und an der EM in Deutschland qualifizieren. Im September war es die
Schweizer Meisterschaft. Sie gewann im Proam Gold und Silber, mit dem
Swiss-Team Metaphoria erreichte Monika Kurzbein den ersten Platz: «Die
Berufsfrage ist leider immer mehr in den Hintergrund getreten.» Gerade 17
Jahre alt, lässt es die im Zeichen des Löwen Geborene aber gelassen
angehen: «Wer weiss, wenn ich an der WM gut abschneide, wird daraus
vielleicht sogar mein Hauptberuf», lacht sie.
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