
Marcel Rohrer 
Meine Geschichte mit Country Western Dance beginnt in Canada, genauer gesagt in Banff im Wild Bill’s Saloon.. Ich arbeitete vom Dezember 1993 bis November 1994 im Post Hotel in Lake Louise, Canada. Da es aber in Lake Louise ausser zwei Hotels nichts gab, musste ich für alle Einkäufe, Ausgang, Kino etc. immer ins benachbarte (50km) Banff. Und eben dort gab es einen tollen Country Saloon. Ich war bereits nach meinem ersten Besuch von diesem Lokal begeistert. Die Musik, das Essen und die vielen Pärchen, die alle im Kreis um die Tanzfläche kurvten und ganz verrückte Figuren machten, faszinierten mich total. So gab es keinen Trip mehr nach Banff ohne einen Besuch und ein Pinscher (grosser Krug Bier) im Wild Bill’s. Als ich einmal mit einer Canadierin bereits am späten Nachmittag an der Saloon Bar sass, staunten wir, als ein Tanzlehrer mit Cowboy Hut und Headset Microphon die Leute aufforderte, einen Line Dance zu lernen. Meine Begleiterin rutsche sofort vom Hocker, konnte mich aber nicht dazu bewegen, mein Bier zu verlassen. Als ich dem ganzen dann zuschaute, bereute ich bereits, dass ich nicht mitgemacht hatte. Doch nach einer kurzen Pause forderte der Lehrer zum Two Step Kurs auf und ich ergriff die Chance, mit meiner Begleiterin die ersten „Quick, Quick, Slow, Slow’s“ aufs Parkett zu legen.
Wenn immer es meine Arbeit im Post Hotel es zuliess, besuchte ich den Tanzkurs im Wild Bill’s und so konnte ich auch meinen ersten Line Dance lernen, den „Tush Push“. Doch ich hatte die vielen Drehungen überhaupt nicht im Griff und ich konnte mich vielmehr für Two Step und East Coust Swing begeistern.
Ich hatte eine tolles Jahr in
Canada, besuchte das grösste Rodeo der Welt in Calgary, wo ich meine ersten
Cowboy Hut kaufte, besuchte Mega Saloons in Calgary, San Franzisco, Phoenix und
Denver und bin zum totalen Country Fan geworden.
Als
ich zurück in die Schweiz kam und wieder beim sonne-beck in Weinfelden zu
arbeiten begann, traf ich auch Gabi Schönenberger wieder. Ich hatte sie schon
vor meinem Canadaaufenthalt als Country Fan kennen gelernt. Mit ihr besuchte ich
jedes Wochenende Country Festivals in der ganzen Schweiz. Das für die weitere
Geschichte wichtigste fand in Niederurnen in der Mehrzweckhalle statt. Dort
hatte ein Gruppe von Country Western Dancern einen Auftritt in der Pause und
tanzten den Tush Push. „Ich will auch mitmachen“, sagte ich zu Gabi Im Festführer
erfuhren wir, dass dies die Evolution sind und jeden Mittwoch hier in der
Mehrzweckhalle trainieren. Wir entschlossen uns sofort, bei ihnen mitzumachen.
Doch wie es so geht, dauerte es noch eine ganze Weile, bis wir das erste Mal
nach Niederurnen fuhren. Erst als Irene damals Bucher (heute Mohn) von Amerika
zurückkehrte und wieder beim sonne-beck die Arbeit aufnahm, fuhren wir zu dritt
ins Glarnerland.
Von da an hatte es uns gepackt,
das Dance Fever, und wir fuhren jeden Mittwoch zu den Evolution, sogar im Winter
bei starkem Schneetreiben.
Im Dezember des selben Jahres hörte
ich am Radio Thurgau, dass im Dancing La Luna am Dienstag Country Abend sei.
Nach einem Hockeymatch in Herisau gingen Gabi und ich ins La Luna. Der DJ
Janosch war begeistert von unserer Tanzerei und zusammen mit dem Geschäftsführer
des La Luna entstand die Idee eines eigenen Country Western Dance Club im La
Luna.
Zwischen Weihnachten und Neujahr
trafen wir drei uns bei Irene zuhause wo wir alle Details des neuen Clubs
besprachen. Auch für den Namen Rising Moon entschieden wir uns an diesem Abend.
Am 9. Januar 1996 fand der erste Clubabend statt und von da ging’s steil aufwärts. Wir drei machten Auftritte an Samstagabend im La Luna bei Fullhouse, um auf uns aufmerksam zu machen. Auch beim Radio Top konnten wir ein Interview geben und so trafen sich allmählich immer mehr Leute am Dienstagabend zu unserem Clubabend. Im Mai des selben Jahres öffnete das Bonanza seine Türen, wo ich zusammen mit Markus sehr engagiert war. Jeden Montag leitete ich den Tanzkurs und am Wochenende fungierte ich als DJ im Bonanza. So verbrachte ich fast jeden Abend mit Country Musik und natürlich tanzen. Auch meine Frau, die ich 1999 heiratete, lernte ich im Juni 1996 im Bonanza kennen. Mittlerweile haben wir auch für Nachwuchs gesorgt, eine Tochter (Janine 5.2000) und einen Sohn (Philipp 12.2001) bekommen.
Der
Club ist, nebst meiner Familie, ein wichtiger Teil in meinem Leben. Wir hatten
auch immer etwas zu feiern, nebst der stetig steigenden Mitgliederzahl konnten
wir viele Erfolge verbuchen. Mit dem Team, aber auch im Paartanz und Line Dance
war ich immer an Meisterschaften anzutreffen. Dabei hatte ich verschiedene
Partnerinnen, meinen ersten Wettkampf im Couple bestritt ich mit Gabi Schönenberger,
darauf tanzte ich mit Irene Frei an einer Schweizer- und Europameisterschaft und
wir räumten ziemlich ab. Danach trainierte ich mit Susanne und 1998 an der
Schweizermeisterschaft in Belp siegten wir in unserer Kategorie. Im Line Dance
konnte ich mich am Anfang noch gut halten und einige Medaillen in Empfang
nehmen. Doch immer mehr fehlte mir die Zeit und die Motivation zum Trainieren.
Nach der Schweizermeisterschaft in Hombrechtikon im Jahr 2000 gab ich dann auch
endgültig auf und konzentrierte mich aufs Team. Auch übernahm ich die Aufgabe
des MC (Master of Ceremony) an der SM, um Barbara Dietsche zu entlasten. Diese
Aufgabe werde ich die nächsten Jahre sicher weiter machen.
Der Höhepunkt war dann sicherlich das zusammenstellen eines Teams für die Weltmeisterschaft 2002 und nach 14 Monaten hartem Training schlussendlich die Teilnahme an der WM in Holland.
Ach ich könnte noch so viel schreiben über mich und Rising Moon: zum Beispiel über die SM in Weinfelden, über die vielen tolle Auftritte an den verschiedensten Anlässen oder über all die Meisterschaften, an denen wir mitgemacht haben und natürlich auch immer mithalfen. Doch ich habe sowieso schon zu viel geschrieben. Ich möchte mich noch bei allen bedanken die mich immer unterstützt haben. Es ist nicht selbstverständlich, dass ich immer noch das Vertrauen als Präsident des Rising Moon habe. Es waren nicht immer alle meiner Meinung, doch ich versuche immer, allen gerecht zu werden, auch wenn es nicht immer so einfach ist.
Lang lebe der Rising Moon
Keep it country dancing
Marcel
(März 2002)
Bericht aus dem „Das Magazin“
des Zürcher Tagesanzeiger
Samstag 4. Mai 2002
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